Andrés Geschichte

Ein Lausbub macht Karriere
 
Auch Lausbuben können was werden. André Lange war einer, und seiner Lehrerin zuhause in Ilmenau wurde es zu viel, und sie befand, Jungpionier André solle sich austoben und bei den Stadtmeisterschaften im Ringen mitmachen. Er tat es und gewann, ging fortan zum Training in die Ringerhalle.
Doch das Betragen in der Schule besserte sich nicht, obwohl er bei den Ringern seinen Auslauf fand. Die Lehrerin machte Druck, setzte bei jedem Tadel ein Trainingsverbot durch. "Ringer konnte ich nicht werden", sagt André Lange und lächelt verschmitzt. Später meldete er sich bei den Rodlern, fand Gefallen an dem Sport und wurde an der Sportschule in Oberhof angenommen. Doch so richtig in Fahrt kam die Rodel-Karriere nicht André Lange war als Leistungssportler am Ende, die DDR auch.

Matthias Trübner, Bobtrainer in Oberhof erinnert sich. "Man sagte mir, du kannst jeden nehmen, nur den Lange nicht". Der sei schwierig, "ein Dickkopf, aus dem Internat so gut wie geflogen". Doch genau das reizte Trübner, er holte Lange an die Bobbahn.

Liebe auf den ersten Blick war es für den Blondschopf nicht. Als Kind besuchte er mit den Eltern eines der ersten Rennen an der damals neu errichteten Bahn in Altenberg. "Ich stand als Steppke an Kurve 14 und ein Viererbob hämmerte vorbei. Ich hätte nie gedacht, dass ich das auch mal machen würde." Doch zunächst verpasste Trübner dem Neuen einen Spitznamen, taufte ihn wegen seiner pummeligen Figur "Bärchen". Lange fand das nicht schlimm, er nennt sein Bäuchlein "Unwucht in der Körpermitte".

Als Bobpilot fand Lange seine Berufung: Ein solider Schrauber, cool und mit einem Händchen für die Lenkseile. Lange startete durch: Vier Olympiasiege, acht WM- und acht EM-Siege, 18 Weltcuperfolge. Lange, der erfolgreichste Bobpilot der Welt. Doch das bedeutet ihm nicht so viel. Er betrachtet jeden Erfolg für sich. "Jeder Sieg verleiht mir eine innere Befriedigung". Auch wenn er nach außen hin unbeteiligt, abgezockt wirkt, "in mir drin brodelt es". Doch diese Party sei "privat, nur für mich".

Quelle:
Andreas Rabel/29.04.10/OTZ
www.otz.de
Lausbub André Lange (Bild Sascha Fromm)